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150 m breit, 270 m tief


micha am abgrund


kaieteur guesthouse


mr. pang


johnsons view


 

freitag, 8.1.99

regen, wolken, nebel, yoga auf der veranda, porridge zum frühstück. justus kommt mit einer tourigruppe. während seine passagiere sich umgucken, sitzen wir auf der veranda und besprechen das touri-transport-shuttle-business. wir erzählen von unserem traum, für 3 jahre in kaieteur zu leben, von billigen reisen für touris und einheimische und shuttles von mahdia zu den weiter im landesinneren liegenden pisten. wir erfahren, daß schon vor uns guyanesen die idee hatten, es aber für das projekt keine genehmigung gibt. dafür wurde gerade die fläche des keieteur nationalparks erheblich vergrössert und mr. pang soll den pork knockern mitteilen, dass sie in dem gebiet nicht mehr schürfen dürfen. das finden die pork knocker natürlich nicht so gut.
justus zieht mit seiner gruppe weiter. wir bekommen besuch von neil. das boot ist erst morgen fertig. wir laufen zu johnsons view. super wetter, auf der linken sieht man old mans beard, zur rechten kaieteur in voller breite. aus den mannshohen riesenbromelien pfeifen die golden frogs. sonnencreme. fußmarsch zur landing, die einen guten km flussaufwärts liegt. eine ansammlung von holzhütten und etwas abseits der shop von desiree, das größte haus. bei desiree treffen wir andrew und sisi und ein paar pork knocker in der klassischen zusammensetzung ein weisser, ein indianer, ein schwarzer. einer der drei heißt josef van sluytman, hat aber mit rochford van sluytman aus mahdia nichts zu tun.
andrew vertritt desiree, die ein dickes knie hat und normalerweise den shop + 2 kleine kinder (2 jahre und 6 monate alt) alleine schmeisst. desiree ist 26. ihr mann sitz im knast, weil er einen erschossen hat, wegen diamanten oder schulden o.ä. auch die pork knocker erzählen von der erweiterung des naturschutzgebiets. vor ein paar wochen hatte eine grössere mine den potaro verschmutzt, so dass sich der wasserfall verfärbte. aber als einzelne kleine pork knocker nur mit der schippe in der hand können sie wohl kaum dem wald schaden zufügen. sie beschweren sich, daß naturschutz und tourismus ihnen ihre existenz streitig machen. sie reden von rebellion. die diskussion wird hitzig, die jungs haben schon gut gebechert. josef van sluytman will sich mit micha anlegen. neil schreitet ein, zeigt kurz seinen revolver. alles klar. es regnet. wir spielen ne runde billard. als der regen aufhört, wird es schon langsam dunkel. wir laufen ohne neil zum guesthouse zurück.
ein stück durch den wald mit rotem stein und rosa sand, dann über das offene plateau. aus einem gebüsch am airstrip hören wir einen ziemlich lauten rauen männerhusten. micha denkt an ein tier und bewaffnet sich mit einem dicken ast. caro denkt an betrunkene diamantensucher und zieht sich die schuhe an. wir laufen genau auf das gebüsch zu. nichts zu sehen weit und breit, starker tiergeruch. caro denkt noch immer an betrunkene pork knocker. ob die harmloser sind als ein wildes tier? frösche pfeifen und grillen zirpen .
im guesthouse angekommen erzählt pangi ganz unvermittelt vom jaguar am airstrip und macht ein gräusch wie männerhusten. er hat schon 11 grosse katzen geschossen, pumas, jaguare, ozelots. zu fuß unterwegs vom potaro nach mahdia war ein alter schwarzer pork knocker an der tumatumari-junction, 70 meilen vor bartica, vor ein paar jahren von 2 jaguaren angefallen worden. 2 tage später kamen leute vorbei und fanden die überreste und handtellergrosse katzenspuren. und caro dachte schon, der spruch von heute morgen, "lass dich nicht von den jaguaren fressen", wäre ein scherz gewesen.
in der regel werden menschen von den katzen nicht angegriffen. sie sind als beute zu gross. schon um einen tapir zu erlegen, müssen jaguare zu zweit jagen. aber ob man nun wirklich einen treffen möchte?
nach den katzen-geschichten gibts für uns ein vegetarisches abendessen, porridge salzig: 1 hand haferflocken, knoblauch + zwiebeln, heisses wasser, curry, soja sauce, salz, oliven öl, pfeffer, honig. super lecker. pangi möchte das rezept.
pangi ist 59 jahre alt, 1 m 65 gross, amerindian, traurige augen. er ist an der grenze zu venezuela im orinoko-delta aufgewachsen, hat 12 brüder und 6 schwestern, die meisten sind halbgeschwister. seine mutter ist gestorben, als er 12 jahre alt war. seine grosseltern waren spanisch-chinesisch-indianisch gemischt. in seinem dorf wurde er in der missionsschule von katholiken erzogen. mit 16 ist er von zu hause weg gegangen. er hat 14 jahre lang auf eigenen und fremden dredges gearbeitet als gm und mechaniker und 14 jahre lang für die guyana geology and mines comission. 8 mal ist er überfallen worden, 1976 hat er bei einem überfall 3 schwarze erschossen, war 1 woche in mahdia und 1 woche in gt inhaftiert und wurde wegen notwehr freigesprochen. sein posten als reservatsaufseher ist ihm zu einsam, er hat angst, wieder überfallen zu werden, träumt schlecht, von gefleckten kühen, ein schlechtes zeichen. er möchte wieder für eine mine arbeiten und wünscht sich von uns postkarten aus deutschland.


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