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cayenne am morgen
cayenne am morgen

cayenne carneval
cayenne carneval

wasserschildkröte in montjoly
wasserschildkröte in montjolly

eigelege der schildkröte
eigelege

 

freitag, 18.12.98

cayenne, die hauptstadt franz. guyanas, ist quadratisch angelegt, eine kleinstadt von 10 x 10 blocks, einstöckige häuser, organisiert, französische preise, die mit französischen francs beglichen werden. kurzhaarige weisse franzosen, schwarze, chinesen. ein carneval probeumzug im rhytmus selbstgebauter trommeln aus plastikfässern mit gummifellen bespannt zieht an uns vorbei. die surinamesische botschaft ist wegen umzug geschlossen. in den strassen verteilen nikoläuse im talar mit bart und nikoläusinnen im kurzen rock mit roten lippen tropenfeucht klebrige bonbons. wir versuchen zu erfahren, ob man auch an der grenze ein visum bekommen kann und beschliessen am ende, bis montag zu warten. checken für den nächsten tag einen ausflug auf die îles du salut, die ehemaligen gefängnisinseln, siehe papillon & dreyfus. mittagsschlaf. 
erster ausflug mit dem mini-bus an den srand von montjolly, ca. 10 km südöstlichlich von cayenne. hunde, grober sand, braues wasser, raue see und vereinzelt häuser aus stein und holz entlang des strands. wir treffen einen jungen forscher, der den strand nach den spuren von eigelegen der selten gewordenen riesenwasserschildkröten absucht. während wir noch mit ihm quatschen, schiebt sich hinter seinem rücken ein berg von ca. 1,5 meter länge über den strand.  der forscher ist beim anblick der schildkröte fast noch aufgeregter als wir. sofort sammelt sich ein grüppchen neugieriger um den urigen koloss, der forscher erklärt das ereignis und seine arbeit. in einer gute stunde hebt die schildkröte mit gezielter atemtechnik eine loch aus, legt ihre eier drin ab, schüttet alles wieder zu und verwischt die spuren des geleges. vom forscher markiert schiebt sie sich ins meer zurück. wir feiern das ereignis mit einem t-punch (rum, limonensaft, zuckerrohrsirup) unter dem üppigen tropensternenhimmel.
auf der rückfahrt nach cayenne trampen wir mit einem angestellten der france telecom. er liebt das leben in den tropen, liebt die wärme und die sterne. 
franz. guyana ist département d'outre mère. in seiner funktion als europäischer weltraumbahnhof wird die ehemals erfolglose kolonie vom mutterland am leben erhalten. früher war franz. guyana vor allem wegen seiner grausamen gefängnisse bekannt. und viele der hier lebende franzosen werden das gefühl nicht los, in der verbannung zu leben. diesen eindruck machen sie zumindest auf uns. der beharrlich französisch gehaltene lebensstil kommt uns zum aklimatisieren zwar gelegen, aber als lebensform in den tropen erscheint er uns krotesk-komisch: ein hipermarché bietet all das an, was er auch im mutterland zu bieten hätte, alles importierte ware mit einer kleinen abteilung "früchte aus der region". im zentrum werden sämtliche lebensmittel zwar von chinesen betrieben, aber auch hier französische weine, champagner und französisches mineralwasser in den regalen. bestellen wir im chinesen-imbiss unser mittagessen, werden wir gefragt, ob wir lieber einen weißen oder einen roten wein möchten. es gibt täglich frische baguettes, die wegen der feuchtigkeit natürlich nie knackig sind, dafür gibt es croissants, törtchen, eiscreme, camembert, frischmilch und eben überhaupt baguettes. schon grossartig. aber wo sind die frischen cocosnüsse und süßen tropenfrüchte?
von dem telecom-mann erfahren wir vom bevorstehenden arianestart. der rum wiegt uns sanft in schlaf.


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